12. Ein Freund, ein guter Freund
„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“
Freundschaft lässt sich weder beschließen noch vertraglich regeln. Sie entzieht sich der gesellschaftlichen Ordnung, die Paarbeziehung und Familie ins Zentrum stellt. Darin besteht ihre subversive Kraft als Ort der Zugehörigkeit, der Identität und Kreativität.
Bis ins 16. und 17. Jahrhundert wurde im Deutschen sprachlich nicht zwischen erworbener und angeborener Freundschaft unterschieden, so dass „Freundschaft“ und „Verwandtschaft“ synonym gebraucht werden konnten. Auch in vielen Dialekten ist die Bedeutung Freund = Verwandter bis in die Gegenwart durchaus üblich, weswegen die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Blutsfreundschaft ebenfalls Verwandtschaft bedeutet.
Für Aristoteles ist die Freundschaft wichtiger Bestandteil einer funktionierenden (Polis-)Gesellschaft. Noch höher als die Gerechtigkeit soll der Staat die Freundschaft schätzen. In der griechischen Polis gab es keine öffentlichen Dienste wie Polizei und Feuerwehr, so war jeder auf das Wohlwollen des anderen angewiesen. Wer in Ämter gewählt werden wollte, musste sich das Wohlwollen der Menschen sichern. Eine Reihe der als „Freundschaft“ bezeichneten Verhältnisse würde heute nicht mehr unbedingt als solche bezeichnet.
Im Altgriechischen bedeutet das Wort philia allerdings sowohl „Freundschaft“ als auch „Liebe“ und kann folglich in diesem weiteren Sinn benutzt werden.
Die Ausgestaltung von Freundschaften hängt auch von den Lebensbedingungen ab, die sich von Kultur zu Kultur oft stark unterscheiden und sich im Lauf der Zeit ändern. So ist der Freundschaftsbegriff in Deutschland und Frankreich von der Vorstellung einer „Seelenverwandtschaft“ geprägt, die sich im literarischen Freundschaftskult des 18. Jahrhunderts widerspiegelt (vgl. Göttinger Hainbund). Voraussetzung für ein solches Freundschaftskonzept war unter anderem die zunehmende Mobilität, die die Zwangsbindung ans Geburtsmilieu lockerte und eine Wahl des eigenen sozialen Umfeldes (Freunde, Sexualpartner) ermöglichte.
In Nordamerika ist ein vor allem auf die Gefühlswelt ausgerichtetes Verständnis der Freundschaft kulturgeschichtlich weniger verwurzelt. Die räumliche und soziale Mobilität der Bevölkerung ist hier insgesamt höher als in Europa, vor allem in den höheren sozialen Schichten. Deshalb wird die Fähigkeit, in einer neuen Umgebung schnell Kontakte zu schließen und Anschluss zu finden, als sehr wichtig erachtet. Die Pflege „tiefer“ Beziehungen ist in Einwanderungsländern wie den USA weitaus stärker als in Europa der Familie vorbehalten.
Bei der heutigen Musik denke ich an die Beerdigung eines liebes Freundes im Mai, bei der wir als kleine Frauen-Abordnung des Musikvereins dieses Stück gesungen haben.
Zugleich denke ich an tolle Aufführungen des Elias, z.B. im Konzerthaus Berlin 1997 sowie die Plattenaufnahme mit James Conlon im Jahr 1996, aus der diese Aufnahme stammt.

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