Lieben Sie Brahms?
Nach der Vorlage dieses Buches von Francoise Sagan aus dem Jahr 1960 erschien bereits ein Jahr später die Verfilmung mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle. Das musikalische Hauptmotiv im Film ist der dritte Satz Poco Allegretto aus der 3. Sinfonie von Johannes Brahms und das ist dann auch der erste Titel der Playlist.

Gleichzeitig kann diese Frage zu allgemeinen Betrachtungen über die Musik von Brahms anregen. Also: Welche Rolle spielt Brahms‘ Musik für mich?
Für mich steht Brahms für Ernst und Tiefe, durchaus manchmal schwerblütig, ja, auch melancholisch, aber nicht depressiv. Häufig finde ich besonders die tieferen Stimmen im Orchester bzw. im Chor besonders sorgfältig behandelt - der Alt ist z.B. im Deutschen Requiem absolut gleichwertig gesetzt zum Sopran, keinesfalls nur harmonisches Füllwerk sondern gibt häufig die Melodie vor. Ebenso toll natürlich die Alt-Rhapsodie. In gewisser Weise führt die Musik von Brahms die Tiefe, ja auch Tragik menschlichen Lebens vor Augen, ohne davor zu kapitulieren. Auf diesem Hintergrund schimmert auch bei heiteren Töne immer das Ernste durch. So richtig übermütig oder albern oder komisch ist Brahms nie.
Neulich wurde in einer Quizshow aus einer Studie zitiert, dass empfindsamere Menschen bei vertrauter Musik die gleichen Empfindungen haben wie bei menschlichen Begegnungen. Das fand ich eine so selbstverständliche Tatsache, dass ich mich wunderte, dass das überhaupt als Frage formuliert wurde. Ich habe die Studie mal gesucht und in diesem Artikel einiges darüber gefunden:
Was das mit Brahms zu tun hat? Seine Musik ist mir so vertraut in Harmonik und „Sound“, dass ich immer das Gefühl einer menschlichen Begegnung habe, wenn ich sie höre. Brahms höre ich auch eigentlich immer sofort heraus, wenn im Radio ein nicht benanntes Stück läuft.
https://open.spotify.com/track/0gpUbSzcq6sgLCm681LqvW?si=Je7dmh7fRoG88losMu_-yA Aus dem von mir gerne zitierten „Capriccio-Forum“ hier auch noch zwei Stimmen zu Brahms:
„Was mich aktuell begeistert, ist nicht leicht zu beschreiben: Zum einen ist da etwas, was ich als typisch Brahmssche Melancholie wahrnehme, und die ist mir zur Zeit wieder sehr nah. Es ist eine Haltung, die sich deutlich von depressiven Haltungen unterscheidet, denn Brahms' Musik scheint zwar immer wieder zur Resignation zu neigen (z. B. Intermezzi op. 117, Klarinettenquintett), aber es bricht oft am Ende so etwas wie ein machtvoller Trotz durch (Klavierstücke op. 119, 4. Symphonie), und es gibt, besonders in den Liedern, auch ganz andere, optimistischere Stimmungen. Das ist die eine Seite. Den Ausschlag für meine Affinität zu Brahms gibt aber etwas, das ich an der Stringenz, der Logik festmachen würde, das sich bei Brahms oft findet: sein Hang, bis ins Letzte durchzukonstruieren, jede Einzelheit in ein notwendig erscheinendes Ganzes einzubauen, wie ich es vorher bei Beethoven und nachher erst wieder bei Schönberg finde.“
Ein anderer Schreiber merkt an:
„Als Soziotyp hat Brahms für mich auch merkwürdige Züge: diese zwanghaften Bescheidenheitsgesten, dieses Verzichtsethos, dieser resignative Rückzug in "machtgeschützte Innerlichkeit". Ganz entfernt meine ich solche Charaktereigenschaften manchmal auch in der Musik wiederzufinden, wir hatten das neulich bei den Händel-Variationen. Wenn Brahms gesellig (Akademische Festouvertüre) oder gar politisch (Triumphlied) wird, mag ich ihn weniger. Seine tänzerische, schubertische Seite schätze ich dagegen sehr.“ https://www.capriccio-kulturforum.de/index.php?thread/5076-johannes-brahms-aber-abseits-wer-ist-s/
Also tauchen wir im Folgenden tiefer ein in das Werk von Johannes Brahms, dem Hamburger, dem "Schwerblütigen", dem Logiker, aber auch dem Tänzer, dem Liebenden, dem Menschen.
Das erste Werk: Klaviersonate C-Dur op.1
Horn-Trio Es-Dur op.40
1. Sinfonie c-moll op.68
Brahms und die Melodien
Ein Spielplatz idyllischer Träume
Hörner an der Alster
Der "letzte" Brahms
Johannes und Clara
Brahms und die Klarinette
Being Brahms
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